Interview mit Nicole Fürmann vom Landesverband Ba-Wü der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e. V.: Zukunft schaffen durch Baumpflanzung

Datum: 15.05.2018
Kategorie: Waldwissen

Deutschland zählt mit 11,4 Millionen Hektar Waldfläche zu den waldreichsten Ländern Europas. Dennoch schrumpft der Waldbestand stetig, sei es durch Waldabholzung oder durch Sturmschäden. Die Blount GmbH – KOX Partner im Forst hat sich mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zusammengetan, um einen kleinen Teil zur Zukunft der Wälder beizutragen.

#1: Baumpflanzung: „Für jedes im April verkaufte Pflanzwerkzeug pflanzen wir einen Baum“

Durch den Sturm „Frederike“ im Januar diesen Jahres wurden unter anderem einige Waldteile des Gemeindewaldes in Alfdorf zerstört. Folglich entstanden sturmgeschädigte Flächen am Waldrand, weshalb für die Kinder des angrenzenden Waldkindergartens besondere Vorsicht galt. Da fanden wir es nur noch wichtiger, dieses Jahr die SDW zu unterstützen. In einem Gespräch mit Frau Fürmann entstand der Gedanke einer gemeinsamen Pflanzaktion. Gesagt, getan: Wir haben für jedes verkaufte Pflanzwerkzeug im April einen Baum gepflanzt. 200 neue Weißtannen wachsen und gedeihen jetzt im Alfdorfer Hasenköhl-Wald.

#2: Baumpflanzung: Eine sinnvolle Investition in die Zukunft

Nicole Fürmann, Geschäftsführerin des Landesverbandes Ba-Wü der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e. V. (SDW), ist studierte Försterin und das Thema Baumpflanzung liegt ihr ganz besonders am Herzen. Im Interview mit ihr informiert sie über die Wichtigkeit von Baumpflanzung und darüber, wo, wann und wie Bäume in Deutschland gepflanzt werden.

Wieviel Bäume müsste man täglich pflanzen, um die Waldabholzungen und Sturmschäden auszugleichen?

„In Deutschland wird nach dem Nachhaltigkeitsprinzip gewirtschaftet, also das geerntet, was nachwächst. Es gibt also keine Übernutzung, auch wenn das für Waldbesucher manchmal so wirkt. Sturmschäden sind Zufallsereignisse, die man nicht quantifizieren kann. Weltweit gesehen sind es laut Regenwald e. V. rund 35 ha, die täglich neu gepflanzt werden müssten.“

Wie sehen sogenannte „Entwicklungs- und Unterhaltungspflegemaßnahmen“ während des Wachstumsprozesses eines Baumes aus?

„Wenn man den richtigen Pflanzzeitpunkt beachtet – also bevor das Laub im Frühjahr ausgetrieben hat, oder wenn es im Herbst schon wieder abgefallen ist – dann schafft es der Baum in der Regel, selbst anzuwachsen. Indem man Kunststoffröhren um den Baum oder eine Umzäunung um die bepflanzte Waldfläche anbringt, schützt man den Baum vor Verbiss durch Hasen und Rehe. Bis man sich das nächste Mal um den Baum kümmert, ist er etwa 15 Meter hoch und oft bereits 30 Jahre oder älter. In großen Zeitabständen werden die Bäume anhand von Durchforstungen in ihrem Wachstum unterstützt. Bäume, die dem Zukunftsbaum Nahrung, Licht, Wasser und Raum zum Wachstum nehmen, werden gefällt. Die Zukunftsbäume werden schließlich im Alter von 140 Jahren – abhängig von der Baumart – geerntet und schaffen Platz für neue Bäume.“

Was tut die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e. V. aktiv für die Verbreitung von Baumpflanzung?

„Wir sehen unsere Aufgabe darin, Baumspender/innen mit Waldflächen zusammen zu bringen. Diese können Unternehmen, Institutionen oder Einzelpersonen sein, die aus unterschiedlichen Gründen einen Baum pflanzen möchten. Beispielsweise zur CO2-Kompensation für ihre Urlaubsreise oder einfach, um Zukunft zu schaffen. Obwohl das Interesse groß ist, kommt das Aufforsten von zusätzlichen Waldflächen in Baden-Württemberg nicht in Frage, da freie Flächen knapp sind und wir mit 38 % Wald schon eines der waldreichsten Bundesländer sind. Eher werden in bestehenden Wäldern Flächen wiederaufgeforstet, zum Beispiel nach einem Sturmereignis, wie diesen Winter durch „Frederike“. Bei Pflanzaktionen mit Schulklassen beispielsweise geht es immer nur um kleinere Flächen und Mengen, die eigentliche Pflanzung machen dann die Profis vom Forst, da es nicht ganz einfach ist, einen Baum fachgerecht zu pflanzen.“

Haben Sie ein Schlusswort für uns zur Wichtigkeit von Baumpflanzung?

Nicole Fürmann: Da möchte ich auf das Buch des Biochemikers und Systemforschers Frederic Vester „Ein Baum ist mehr als ein Baum“ verweisen. Er schärft darin unseren Blick für die Natur und ihre Leistungen und zeigt die wichtige, vielschichtige Rolle des Baumes im Ökosystem unseres Lebensraumes auf – denn ein Baum ist weit mehr als ein Baum! Wer einen Baum pflanzt, hat immer das Gefühl, das Richtige zu tun. Und das ist auch so: Bäume sind CO2-Speicher, Bäume sind Luftreiniger, Bäume sind Schattenspender, Bäume sind Spielplatz, Bäume sind Klimaregulator, Bäume sind Lebensraum, Bäume sind Zukunft. Diese Liste ließe sich noch beliebig lange fortsetzten – und am Ende stünde über allem die Feststellung: Bäume sind Leben.

 

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