Die Entwicklung des Waldes

Datum: 22.09.2020
Kategorie: Forstarbeit, Waldwissen

Es gibt zahlreiche Gründe, wieso Wälder wichtige Ökosysteme sind: Sie schützen den Boden vor Bodenerosion, bieten unzähligen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum, filtern die Luft und agieren als Wasserspeicher. Und natürlich liefern sie uns wichtige Arbeitsmaterialien oder dienen als Rückzugsort. Aber sowohl der Mensch als auch die Natur haben das Aussehen und die Verbreitung unserer Wälder über Jahrtausende hinweg massiv beeinflusst und verändert. Auch die Forstwirtschaft selbst hat Wandlungen durchlebt. In diesem Beitrag wollen wir euch aufzeigen, was geschehen ist und was die Zukunft bereithalten könnte.

#1 Die Entwicklung des Waldes – Definition und Artenvielfalt

Zunächst stellt sich die Frage: Was ist ein Wald?
Um als Wald zu gelten, muss die Erdoberfläche eine sogenannte Mindestdeckung von Bäumen besitzen. Das macht bei der weltweiten Landmasse ungefähr ein Drittel aus, 4 Milliarden Hektar. Darauf und darum leben heutzutage nicht nur rund 60 Millionen Menschen, sondern auch zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten.Allerdings unterscheiden sich die Bezeichnungen für den Begriff Wald im juristischen, biologischen, kulturellen und geographischen Sinne durchaus.

Ein Wald kann jede mit Forstpflanzen bestockte Grundfläche sein. Als Wald gelten auch kahlgeschlagene oder lichte Grundflächen, Waldwege und Lichtungen. Oder auch eine Pflanzenformation, die im Wesentlichen aus Bäumen aufgebaut ist und eine so große Fläche bedeckt, dass sich darauf ein charakteristisches Waldklima entwickeln kann.

Unterschiede zwischen den Waldarten können auf vielfältige Weise gefunden werden. Vom Laub- oder Mischwald bis hin zu tropischen Wäldern gibt es eine mannigfaltige Bandbreite. Die ersten Baumarten sind rund 300 Millionen Jahre alt, 30 Millionen Jahre später traten die ersten Nadelbäume auf. Laubbäume gibt es seit circa 100 Millionen Jahren. Mischwälder etablierten sich wiederum gut 5000-2000 Jahre vor Christus.

Die Verbreitung von Wäldern unterliegt jedoch in jedem Fall auch den ökologischen Gegebenheiten. Wälder benötigen eine ausreichende Niederschlagsmenge. Sonst entwickelt sich der Wald zu Steppe oder Trocken-Savanne. Auch in entsprechenden Höhenlagen lässt das geringe Ausmaß des Baumwachstums keinen Wald nach Definition mehr zu.

Durch den Eingriff des Menschen unterscheidet man weiterhin auch von naturnahen und naturfernen Wäldern, speziell im wirtschaftlichen Sektor.  Naturferne Wälder beheimaten Baumarten, die typischerweise nicht aus Deutschland stammen (z. B. Douglasie und Tulpenbaum). Plantagen wiederum bezeichnen die naturfernsten Waldsysteme. Hier herrscht meist eine einzige, oft schnellwüchsige, Baumart vor.

#2 Die Entwicklung des Waldes – Waldnutzung im Laufe der Zeit

Wie ihr seht, unterliegt ein Wald sowohl naturgegeben als auch durch uns, zahlreichen Veränderungen im Laufe der Zeit. Je mehr sich der Mensch über die Jahrtausende verbreitet hat, desto mehr stieg der Bedarf an Materialien aus Bäumen, der Rodung zur Landgewinnung sowie insbesondere der Nutzung als Brennstoff – bspw. schluckten die Glashütten im Schwarzwald damals enorm viel Waldfläche. Von einzelnen Baumfällern, bis hin zu millionenschweren Industrien. Wie genau müssen wir uns also die Entwicklung der Holznutzung vorstellen? Wie kam es genau dazu, dass aus einem einfachen geschnitzten Stock, der als Arbeits- und Kampfwerkzeug gedient hat, eine Holzhütte und schließlich das klassische IKEA Regal wurde?

Während unsere Urahnen das Holz geschickt zu nutzen wussten, begann die erste stärkere Einflussnahme des Menschen auf das Ökosystem Wald im Zuge der großen Rodungen des Mittelalters. Holz war gerade im europäischen Raum der wichtigste Bau- und Brennstoff. Sei es beim Schiffsbau, Häuserbau oder Weidegrund. Rück- und vor allem Weitsicht war zu dieser Zeit leider kaum vorhanden.

Mit den ersten Holznöten im 19. Jahrhundert hielt jedoch zwangsweise der Begriff „Nachhaltigkeit“ Einzug. Sachkundige Nutzung und die Entwicklung der modernen Wald- und Forstwirtschaft waren hierbei sowohl wichtige Bausteine als auch Gefahren. Denn natürlich lässt sich ein Wald mit motorstarken Kettensägen, Forstfahrzeugen und der industriellen Verarbeitung wesentlich schneller abnutzen. Maschinelle Verarbeitung ermöglicht Massenware, während Holzschnitzer und Handarbeit zwar nach wie vor sehr beliebt, aber dennoch eher eine Nische geworden sind.

Beim Schutz der Wälder geht es heutzutage sowohl um die Pflege als auch die Erhaltung. Maßnahmen gegen Schädlinge wie den Borkenkäfer gehören ebenso dazu wie das Vermeiden von Waldbränden oder unerlaubten Waldrodungen. Auch nach einem schweren Sturm sind es unter anderem wir ForstarbeiterInnen, die wieder für Ordnung sorgen. Revierleiter und FortschutzarbeiterInnen haben daher im eingeschränkten Rahmen ihrer Tätigkeit sogar die Stellung von PolizeivollzugsbeamtInnen.

Nachhaltigkeit beim Holzabbau sowie die Ausweisung von Schutzgebieten sind wertvolle Maßnahmen, die sich zunehmend etablieren.

#3 Die Entwicklung des Waldes – Schützenswert!

Und das aus gutem Grund. Mehr als die Hälfte aller Wälder wurden bereits durch den Menschen zerstört. Speziell illegale Rodung, Holzeinschlag und Umwandlung in Agrarland gehören zu den traurigen Hauptursachen. Aber auch die verbliebenen Wälder weisen oft nicht mehr dieselbe ökologische Qualität auf, die sie früher einmal besaßen.

Doch zahlreiche Projekte, wie zum Beispiel das größte Waldschutzprogramm der Welt von WWF, zeigen in Kombination mit zunehmendem Problembewusstsein bereits erste positive Auswirkungen. Schutzgebiete werden ausgewiesen und naturnahe Forstwirtschaft gefördert. Bereits 10 Prozent aller Wälder stehen dadurch mittlerweile unter Schutz. Es gilt: Es sollte nicht mehr genutzt werden, als natürlich nachwächst.

Eins ist klar: Wir brauchen die Wälder und Bäume zum Überleben! Der Mensch muss den Spagat zwischen Nutzung und Schutz schlagen können. Nur so handeln wir sowohl in unserem als auch im Sinne der Flora und Fauna des Planeten. Wir Forstarbeiter können hierzu unseren Teil beitragen, genauso wie jeder Waldspaziergänger oder Bürger – das ist das Schöne daran.

 

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