Der richtige Umgang mit Totholz im Wald

Datum: 22.10.2019
Kategorie: Profi Tipps, Waldwissen

Totholz spielt im Ökosystem Wald als Lebensgrundlage für Flora und Fauna eine zentrale Rolle. Allerdings können Dürrständer schnell zur gefährlichen Falle werden, wenn ihr sie bei der Arbeit im Wald überseht. Wie also richtig mit dem viel diskutierten Totholz umgehen?

#1 Der richtige Umgang mit Totholz: Sicherheit und Ökologie

Bevor ihr den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr seht, hilft eine Inventur, um Dürrständer auszumachen und zu markieren. Tote oder stark zerfallene Bäume, die am Wegrand stehen, sollten gleich zu Beginn des Holzschlages entfernt werden. Benutzt dazu am besten eine Seilwinde, da der abgestorbene Baum kaum noch über intakte Holzfasern verfügt, die ein sicheres Fällen ermöglichen. Wichtig ist, dass der Holzschlag im laublosen Zustand angezeichnet wird. Bei Totholz im Waldinneren stellt sich die Frage, ob es bei einem unwetter-bedingten Sturz Schaden anrichten kann und ob bereits ein Schädlingsbefall vorliegt. Denn geschwächte Bäume bieten einen beliebten Lebensraum für potentiell schädliche Insekten wie den Borkenkäfer.

In beiden Fällen müssen die Dürrständer entfernt werden. Solltet ihr keinen Schädlingsbefall ausmachen, behaltet den Dürrständer und die umliegenden Bäume gut im Auge. So könnt ihr Veränderungen und eine potentielle Schädlingsvermehrung früh erkennen. Für die Ausführung von Holzereiarbeiten in totholzreichen Beständen solltet ihr mit einem erhöhten zeitlichen und finanziellen Aufwand rechnen. Überlegt euch also, spezielle Totholzbereiche zu schaffen, um eure Ressourcen und den Lebensraum diverser Waldtiere zu sichern.

#2 Der richtige Umgang mit Totholz: Unschlagbarer Vorteil für die Natur

Mindestens 20% der hiesigen Fauna sind auf Alt- und Totholz angewiesen. Der tote Baum dient gleichzeitig als Nahrungsquelle, Lebensraum und Brutstätte für diverse Säugetiere wie den Siebenschläfer, brütende Vögel oder wärmeliebende Reptilien. Auch unzählige Pilze, Insekten und wirbellose Tiere leben sowohl vom als auch im Totholz.

Die Artenvielfalt, die durch Totholz entstehen kann, ist dementsprechend beeindruckend und für einen intakten und gesunden Wald ausschlaggebend. Zusätzlich trägt Totholz vor allem in Gebirgswäldern wesentlich zur Naturverjüngung bei und kann kurzzeitig eine Schutzwirkung gegen Lawinen und Steinschlag bieten.

#3 Der richtige Umgang mit Totholz: Holznutzung vs. Totholzförderung

Tote Bäume, die bereits als Brutstätte oder Lebensraum dienen, sollten also unbedingt bewahrt werden. Allerdings kann eine intensive Holznutzung selbstverständlich einen Interessenkonflikt mit der ebenfalls angestrebten Förderung von Totholz darstellen. Daher gilt es, einen passenden Kompromiss zwischen gesteigerter Holzernte und ausreichender Totholzmenge zu finden. Hier kommen Bäume ins Spiel, die bereits Schäden aufweisen oder im Sinne einer Holznutzung schlecht veranlagt sind.

Dies sind beispielsweise Bäume mit stark ausgeprägten Hauptstämmen, tief liegenden und groben Seitenästen oder anderen Unregelmäßigkeiten. Für den späteren Holzverkauf sind die Bäume meist nicht viel wert – für den Naturschutz dafür um so mehr. Dies bietet den großen Vorteil, dass ihr nicht in Zielkonflikte geratet und Naturschutz sowie Wertholzproduktion auf ein und derselben Fläche betreiben und ökologisch sowie nachhaltig wirtschaften könnt.

 

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