Der aktuelle Holzpreis – eine Krise mit vielen Gründen

Datum: 05.10.2020
Kategorie: Forstarbeit, Waldwissen

Der aktuelle Holzpreis – eine Krise mit vielen Gründen

Der Holzpreis in Deutschland befindet sich in einer kritischen Tieflage. Wie bei jedem wirtschaftlichen Gut wird der Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Doch seit mehreren Monaten verharrt der Preis der meisten Baumarten auf einem gefährlich niedrigen Level. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm. Man spricht bereits von einer Krise des deutschen Waldes, die den sauren Regenfällen in den 80er Jahren – wirtschaftlich gesehen – in Nichts nachsteht. Die komplexen Gründe und potenziellen Lösungen wollen wir euch im Folgenden vorstellen.

#1 Der aktuelle Holzpreis – eine Krise mit vielen Gründen: Borkenkäfer-Befall

Ein Überangebot entsteht in der Holzbranche vor allem dadurch, dass zu viele Bäume vorzeitig gefällt werden müssen. Und dieses Überangebot sorgt anschließend für die massiv nach unten gedrückten Preise. Das vorzeitige Fällen hat jedoch weitreichende Auswirkungen. Der extreme Borkenkäfer-Befall der letzten Jahre beeinflusst dies an erster Stelle.

Stark betroffen ist hier zum Beispiel das Fichtenholz. Aufgrund der Schädlinge mussten hier besonders viele Bäume frühzeitig gefällt werden. Dies gehört zur Bekämpfungsstrategie, um eine weitere Ausbreitung zu verlangsamen und zu verhindern. Selbst sehr alte Fichten können so nur noch für einen Brennholzpreis verkauft werden.

Experten sehen die Population der Käfer auf dem höchsten Stand seit dem zweiten Weltkrieg und ein Ende ist nicht in Sicht. Leider profitieren sie auch besonders von den Auswirkungen des Klimawandels. Die Schwächung durch Sturmschäden sowie lange Dürreperioden und die damit einhergehende, niedrigere Harzproduktion der Bäume machen es dem Schädling besonders leicht. Harz fungiert normalerweise als natürlicher Abwehrmechanismus, denn er verklebt die Käfer in deren Bohrlöchern.

Ebenso beginnen die Vegetationsperioden mittlerweile früher und sind wärmer, was in einer noch größeren Käfer-Population mündet. Milde Winter ermöglichen es überdurchschnittlich vielen Eiern, Larven und Puppen diese unbeschadet zu überstehen. Und die Käfer können zudem bei milden Temperaturen bereits früher ausfliegen, um neue Bäume zu befallen. Durch Stürme umgefallene Bäume bieten wiederum idealen Brutraum. Das Entscheidende ist, dass die Käfer dadurch mehr Zeit haben, noch weitere Generationen zu bilden.

Um der Lage auf natürliche Weise Herr zu werden, benötigen die Wälder laut dem Thünen-Institut mindestens zwei kühle- und regenreiche Jahre. Gebiete, in denen der Niederschlag höher war, zeigten auch einen niedrigeren Befall. Doch die Chancen auf einen solchen Wandel sind gering…

#2 Der aktuelle Holzpreis – eine Krise mit vielen Gründen: Kettenreaktionen durch den Klimawandel

Wie der Borkenkäfer-Befall aufzeigt, treten die Folgen des Klimawandels auf vielfältige, aber stets verknüpfte, Art und Weise zu Tage. Und fast jede Facette des Klimawandels wirkt sich auch direkt auf unsere Wälder aus. Damit wiederum auf die Holzqualität, die Verfügbarkeit und damit letztlich auch auf den Preis.

2019 sorgte die Kombination aus Dürre, Sturmschäden und Schädlingsbefall sogar dafür, dass die Branche mit der Menge der kaputten Bäume überfordert war. Abernten und Abtransportieren war schlicht nicht zeitgerecht möglich. Und umso länger entsprechende Bäume ungeschlagen und nicht abtransportiert im Wald verweilen, desto leichter ist es für Käfer und Pilze Schaden anzurichten. Wodurch wiederum die Holzqualität weiter absinkt und der Preis fällt.

Der Blick in die Zukunft macht laut zahlreicher Experten eines klar: Die Folgen des Klimawandels werden noch schlimmer und brechen nicht in absehbarer Zeit ab. Es ist also wichtig, jetzt zu handeln und vorzusorgen. Doch welche Möglichkeiten haben Waldbesitzer und Förster?


#3 Der aktuelle Holzpreis – eine Krise mit vielen Gründen: Komplexe Gegenmaßnahmen 

Eine Lösungshoffnung sind Mischwälder inklusive neuer Baumarten, die mit den wärmeren Temperaturen besser zurechtkommen. Wertgeschätzte Arten wie die Fichte und vor allem Reinbestände könnten also bald noch weniger vertreten sein. Zudem leiden die Fichten besonders unter niedrigen Niederschlagsmengen und sinkenden Wasserspiegeln und zu hohen Temperaturen, da viele Fichten-Bestände nicht standortgerecht begründet wurden Aber auch Arten mit besseren Voraussetzungen wie die Douglasien, Buchen oder Kiefern zeigen Absterbe-Erscheinungen. Das Artenspektrum wird sich also in ferner Zukunft noch weiter unterscheiden müssen.

Neue Baumarten und Mischwälder werden zum Glück schon seit längerem genutzt, um unsere Wälder auf den Klimawandel vorzubereiten. Das Problem ist hier aber zum einen die Zeit, die eine solche Umstockung benötigt. Zum anderen ist die kleinteilige Parzellenstruktur der Privatwälder ein Hindernis. Der beschriebene Preisverfall erschwert hier noch zusätzlich ein rasches Handeln. Denn trotz der Konjunkturpakete der Bundesregierung bedarf es auch Eigenanteile der Waldbesitzer.

Es gilt also mehr denn je, das Forstwesen zukunftsgerichtet und nachhaltig, aber auch mit Rücksicht auf die Lebensgrundlage der abhängigen Personengruppen zu gestalten. Weitere Unterstützung vom Staat, eine Aufstockung des nötigen Personals sowie handlungsfähige Politik werden hier die Grundlage für die nächsten Jahre bilden und dem Preisverfall hoffentlich Einhalt gebieten.

#4 Der aktuelle Holzpreis – eine Krise mit vielen Gründen: Informations-Tipps

Wenn ihr weitergehende Informationen zur konkreten Holzpreis-Entwicklung wollt, so könnt ihr euch zum Beispiel auf der folgenden Seite umfangreich erkundigen:

Als Leser unseres Artikels „Der aktuelle Holzpreis – eine Krise mit vielen Gründen“, könnten dich auch folgende Beiträge im KOX Blog für Forstarbeiter und Forstwirtschaft interessieren:

One comment

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  1. Bernd L. Mueller sagt:

    Komplex wie Artikel. Was können wir – Bürger/in – vs. Baum – Artensterben unterstützend tun ?

    1. …….weniger Flächen versiegeln
    2. …..weg mit “ Grauen “ vor Häusern ( …Millionen )
    3. ….Wälder pflegen ( Totholz raus etc. )
    4. …..Finanzierung mittels Anreize Neuanpflanzungen
    5. ….weg mit energetischer Holz-Nutzung
    6. ….mehr Bauholz
    7. ….kleinzellige Parzellenstrukturen aufheben analog Gebietsreform
    8. …..Subventionen Holzpreise über Beschränkung Importe
    9. …….Brachflächen kultivieren mit Baumpflanzungen
    10. …..weg mit Grüner Urwaltphantasie